Unsere Schüler*innen

Amonte Schröder-Jürss

Amonte Schröder-Jürss

versteht Sätze wie: „Da muss mehr Fleisch in die Bulletpoints“ oder „mit dem Packaging targeten wir vor allem die Manfluencer“. Nach einer ereignislosen Kindheit in Hamburg-Stellingen, begann sie mit 18 Jahren als Werbetexterin für Agenturen wie Jung von Matt, DDB oder KNSK zu arbeiten. Seitdem gilt sie als eine der verlässlichsten Ideen-Produzentinnen Norddeutschlands, hat jedoch für die ganz große Karriere zu spät gegoogelt was „asap“ bedeutet. Es folgte die erste Sinnkrise und ein Studium des literarischen Schreibens am Hildesheimer Literaturinstitut. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie während ihres Studiums, beim Norddeutschen Rundfunk in den Redaktionen: extra3, DAS und NDR Aktuell. Jetzt freut sie sich sehr, diese in Baden-Württemberg weiter ausbauen zu können. Denn: bekanntlich können die hier ja alles - außer Hochdeutsch.

Andreas Holzapfel

Andreas Holzapfel

Als Kind kam sich Andreas Holzapfel vor wie ein Gallier. Er stammt aus Obernfeld, einem kleinen Dorf irgendwo mitten in Deutschland. Inzwischen glaubt er, dass ein Marktforscher heimlich mitzählte, wenn er sich nach der Schule mal wieder einen „Chupa Chups“ holte. Er stammt aus Obernfeld, einem kleinen Dorf irgendwie so mittel in allem. Nach dem Abi blieb er noch eine Weile. Er schleppte Toilettenschüsseln auf dem Bau, während des Zivis brachte er den Leuten ungesalzenes Essen in miefigen Thermoboxen. Anschließend zog es ihn aus der Provinz - in die Provinz: nach Eichstätt zum Journalistik-Studium. Er hatte anderen schon immer gern zugehört. Und andere, selbst Unbekannte, hatten ihm meist gern etwas erzählt: der Dachdecker, der des Lebens müde geworden ist. Oder der frisch gebackene Papa von seinen frischen Depressionen. Vor, zwischen und nach der Uni schrieb Andreas querfeldein: Eichsfelder Tageblatt, Göttinger Tageblatt, Weserkurier, Playboy, Welt, Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, taz. Dazwischen und danach zog es ihn aus der Provinz - in die weite Welt: für ein Semester nach Wien, zum Arbeiten und Reisen nach Kapstadt, Johannesburg und Windhoek und letztlich für den Politik-Master nach Berlin. Andreas hat es gehasst, Kant, Habermas und Foucault zu lesen. Andreas hat es geliebt, Kant, Habermas und Foucault zu verstehen. Auf seinen Stationen hat Andreas fleißig Sprachen gelernt: den Slang auf dem Bau, in den Townships, in der Sonnenallee. Andreas kommt fast überall durch. Milieureportagen sind, was er am liebsten macht. Jetzt freut er sich mal wieder auf die Provinz - aber auch auf eine neue Sprache.

Anna-Sophie Barbutev

Aufgewachsen in der bayrischen Kleinstadt zog es Anna-Sophie Barbutev nach dem Abitur erstmal weg in die Niederlande. Dort studierte sie Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Medienkultur in Maastricht. Feuer für Reportagen fing sie bei ihrem Y-Kollektiv-Praktikum und bei der Recherche für ihre erste Auslandsreportage aus Bulgarien. Konstanten in ihrem Leben sind das Unterwegssein, das Lesen und das Schreiben. Sie ist bikulturell mit der deutschen und bulgarischen Kultur aufgewachsen und hat es sich zum Ziel gesetzt, ein kulturelles und politisches Verständnis für Osteuropa zu schaffen.

Britta Rotsch

Britta Rotsch

... wuchs in Bensheim auf, einem Kleinstadtidyll in Südhessen, das nur von den Einheimischen selbst gerne als „die Toskana des Südens“ betitelt wird. Als Teil der „Generation Praktikum“ formulierte sie kapitalistische Texte für eine Werbeagentur, malte mit Schlaganfallpatienten Window Colour-Bilder, fütterte früh morgens Ponys und führte kiloweise deren Mist mit der Schubkarre von A nach B. Alles noch nicht das Wahre. Da ihr das Zuhören und Fragen stellen am meisten Freude bereitet, gab es nur zwei Möglichkeiten: Psychologie oder Journalismus. Also ging sie auf Tuchfühlung und stand einst überfragt vor der Eingangstür der Psychiatrie, nicht wissend, wer rein oder raus darf. Und bemerkte im Jugendamt, dass Sozialarbeiter gar nicht so sozial sind, wie sie dachte. Von der Gesellschaft gänzlich verwirrt, studierte sie dann Soziologie. Nach dem Bachelor brauchte sie eine Verschnaufpause. Werner Herzog glaubt, dass „das Wissen von den Sohlen kommt“, also stapfte auch sie wochenlang durch die Gegend und hielt Ausschau nach Jakobsmuscheln; nicht jene aus dem Meer, sondern solche, die einen am Ende nach Santiago de Compostela führen. Ein klein wenig erleuchtet, entschied sie sich danach für den gleichnamigen Master im Land der Fiaker und des Kaiserschmarrns. Stets in der Absicht, nicht allzu lange dort zu verweilen, blieb sie am Ende doch in Wien hängen. Es folgten Stationen bei der österreichischen Presse-agentur APA, der NZZ.at, Radio Ö1 und dem Nachrichtenmagazin Profil. Am liebsten erzählt sie über gesellschaftliche Abgründe und Schicksalsschläge: Über Eltern, die ihr Kind verloren, von Menschen, die an einem Trauma leiden, das gar nicht ihres ist oder von der Welt einer Frau, deren Mann wegen Pädophilie im Gefängnis sitzt ...

Isabelle Zeiher

Isabelle Zeiher

Als Tochter einer Französin und eines Deutschen fließt durch Isabelle Zeihers Adern zweisprachiges Blut. Als Kleinkind hat sie noch Schwierigkeiten, ihre deutsche von der französischen Welt zu unterscheiden. So versucht sie als Dreijährige erfolglos, in einer Patisserie eine Brezel zu bestellen. In einer beschaulichen Gemeinde in Bayern wächst sie auf; der Dialekt geht an ihr vorbei, spricht sie doch zuhause meist Französisch. Schon früh weiß sie, dass sie Postbotin werden möchte, oder Journalistin. Als sie vom Briefgeheimnis erfährt und feststellt, dass sie anderer Menschen Post nicht lesen darf, konzentriert sie sich auf Letzteres. Sie stillt ihre Neugier bei der Schülerzeitung, abonniert früh ihr Lieblingsmagazin, die NEON. Nach dem Abitur steigt sie direkt bei Radio 7 ein. Darauf folgt das Studium an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Nebenher sammelt sie Erfahrungen bei einem Online-Magazin und im TV- und Print-Bereich. Seitdem möchte sie Reporterin werden. Während des Praxissemesters im Multi-media-Ressort von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten schreibt sie das erste Mal seitenfüllende Reportagen. In Paris verwirklicht sie kurze Zeit später bei der französischen NEON ihren Traum: Schreiben in der Magazinwelt. Sie liebt die Herausforderung, Protagonisten zu finden, die sonst nicht mit der Presse sprechen: Das polyamore Pärchen, bei dem der Mann während des Gesprächs die Hände zweier Frauen streichelt. Die Messie-Erkrankte, die zuvor noch niemandem die Türen geöffnet hat. Der Transsexuelle, den seine Familie nicht akzeptiert, der Suchtkranke, der jahrelang heimlich mit Drogen dealte, und erst durch den Alkohol abstürzte. Während ihres Volontariats bei der Böblinger Kreiszeitung lernt sie, was Lesernähe ist – nämlich dann, wenn Abonnenten anrufen oder plötzlich im Büro stehen, weil ihnen ein Text besonders gut oder gar nicht gefallen hat. Sie kämpft sich durch Gemeinderatssitzungen, samt Hebesätzen, Steuernachträgen und Haushaltsdebatten. Entdeckt die spannende Seite von Blockheizkraftwerken und die Brisanz des aussterbenden Seniorentischs. Egal ob sie gerade mit Obdachlosen um die Häuser zieht oder im Feuerwehrtraining Frontscheiben einschlägt, sie bleibt sich treu. Um es in einem abgedroschenen Zitat zu sagen: Sie ist mittendrin, statt nur dabei.

Janina Martens

Janina Martens

... kann gut zuhören und schreibt lieber, als dass sie spricht. Das mag an ihren Wurzeln in der schleswig-holsteinischen Provinz liegen, wo ein Dialog aus „Moin“ und dem erwiderten „Moin Moin“ bestehen kann. Ihr Chemielehrer sagte ihr in der zwölften Klasse, sie könne gut logisch und analytisch denken und solle „ihre Gehirnkapazitäten für etwas Sinnvolles nutzen“, etwas Naturwissenschaftliches. Aber weil ihr die Welt da draußen gar nicht so logisch erschien, tat Janina ge-nau das Gegenteil: Sie studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim. Schnell musste sie sich eingestehen, dass sie lieber bekleidet im Zuschauersaal saß, als mit ihren Kommiliton*innen nackt auf der Bühne zu stehen. Also begann sie, neben dem Studium für die Hildesheimer Allgemeine Zeitung Veranstaltungskritiken zu schreiben und für das hannoversche Magazin Stadtkind regelmäßig Theatermacher*innen zu interviewen. Ihre Leidenschaft für den Journalismus fing an zu glühen. Praktika in den Kulturredaktionen des ZDF und der Deutschen Welle sowie ihre Masterarbeit über arabischen Kulturjournalismus fachten die Flammen noch mehr an. Nach dem Abschluss schrieb sie als freie Journalistin am liebsten über elfenbeinturmferne Kunst mit politischer Sprengkraft, über das Helle im Dunkeln und über Nachhaltigkeit. Nach einem halben Jahr Work & Travel in Südamerika, wo sie lernte, ohne Stift oder Laptop hart zu arbeiten, folgte ein Jahr am Schreibtisch als Online-Redakteurin für das offizielle Portal der Stadt Han-no-ver. Nach diesem tee- und lehrreichen Ausflug in ein nahezu behördliches Umfeld nutzt sie ihre Gehirnkapazitäten nun wieder für etwas Sinnvolles (nein, immer noch nichts Naturwissenschaftliches): die Ausbildung an der Reportageschule.

Karolina Kaltschnee

... ist in der nordhessischen Provinz in einem evangelisch-katholischen, deutsch-polnischen Haushalt aufgewachsen. Kontraste sind also eine ganz natürliche Angelegenheit. Und Konflikte mit Dorfnazis und Lehrern ebenso. Arm oder reich? Landwirt oder Zahnarzt? „Am Ende kochen alle doch nur mit Was-ser.“ Kontraste sind eigentlich die besten Brückenbauer. „Der Papst spricht über zehn Sprachen. Das kannst du auch.“ sagte der polnische Opa mal. Vielleicht wusste er nicht, was er anrichten würde. Sinologie, Slavistik und Romanistik in Köln. Im ersten Jahr darf sie Karneval noch nicht mitfeiern, Kostüm-zwang ist der Hessin fremd. Mittlerweile hängt im Schrank aber eine Auswahl an Plüschgewändern und Accessoires. Während des Studiums probiert sie sich aus, vom Hochschulradio Kölncampus über Fernsehproduktionen. Mit 24 gründet sie einen polnisch-deutschen Jugend-Kulturverein und plaudert mit dem polnischen Konsul. Und nach zwölf Jahren in der Gastronomie gibt es für Karolina einen Lieblingsplatz: Die Theke. Traurige und Einsame, Pärchen und Geliebte, Alkoholiker, Manager, Prostituierte und Schichtdienstler. Gespräche, Dramen und die beste Schule des Lebens. Nach kleinen Abstechern zum Unterrichten in den französischen Alpen, einem Aufenthalt während der Tibet-Unruhen in Peking und einem Besuch in Hollywood, arbeitet sie, zurück in Köln, in der Live-Untertitelung bei den Öffentlich-Rechtlichen. 2018 dann noch mal eine Wende: Los Angeles. Als kleine Unterbrechung gedacht, bleibt sie statt 2 Wochen mehrere Monate in Costa Rica und lebt plötzlich am Strand. Und weil „alle nur mit Wasser kochen“ kocht sie für Einheimische und Backpacker. Und schreibt. Im Sommer 2019 kehrt sie zurück und ist bereit für neue Kontraste. Und die Geschichten, die dazu gehören.

Katharina Reckers

Katharina Reckers

... wurde 1995 in Berlin geboren, um kurz darauf von den eigenen Eltern nach Brandenburg verschleppt zu werden. Dort wuchs sie in einer ruhigen, wirklich ruhigen, Idylle auf, stets mit dem festen Ziel vor den Augen diese schnellstmöglich zu verlassen. Das passierte dann direkt nach dem Abitur. Katharina packte ihre Koffer, ging nach Berlin und von da aus in verschiedenste Redaktionen, um zu schreiben. Die Themen-Richtung war recht eindeutig, es ging um die wichtigen Dinge im Leben (Fußball). So saß sie bei 11FREUNDE herum, ging zu VICE Sports, blieb dort noch etwas als freie Journalistin und fasste dann den Entschluss, sich noch einen akademischen Titel zu besorgen. Den holte sie sich an der Universität der Künste im Fachbereich Kommunikation und schrieb nebenbei in der Sportredaktion beim Watson-Magazin. Bei Watson wuchs auch der Mut, sich wieder zurück in eine Idylle zu wagen, um dem Schreiben noch mächtiger zu werden. Hat geklappt - sie wohnt jetzt bald in Reutlingen und hat bei ihrem ersten Besuch aus Versehen Sushi statt Käsespätzle gegessen. Das passiert ihr nicht noch mal, versprochen.

Madeleine Londene

... wächst zwischen Augsburg und Albuquerque auf: Weißwurstmentalität trifft auf Redneck Patriotismus. Während der Schulzeit interessiert sie sich für alles, außer Lernen. Mit acht Jahren kann sie alle Dinosaurierarten auswendig aufzählen und am Stück drei Pirouetten drehen - die wichtigen Dinge im Leben eben. Eine Karriere als Balletttänzerin scheitert nach dem Abitur an einer Sportverletzung (was für eine?). Madeleine steckt in der Sinnkrise: BWL? Stinklangweilig. Medizin? Zu doof und zu faul - eine schlechte Kombi. Aus Trotz greift sie zum Rucksack und trampt durch Vietnam, dann Kolumbien, später Marokko. Letzter Stopp Südafrika. Dort fühlt sie sich zu Hause, arbeitet in einem Frauenhaus im Township Lavender Hill. Sie startet den Blog “Write to taste life twice” und verarbeitet dort ihre Eindrücke. Sie schreibt über Kinderarbeit, Femizide, Bandenkriege und merkt schnell: Schreiben tut sie eigentlich ganz gern. Es folgen Stationen wie: Augsburger Allgemeine, Die ZEIT, Stuttgarter Zeitung An der Reportageschule versucht sie nun den Feinschliff als Reporterin zu bekommen. Und möchte mit ihren Texten genau dort hinsehen, wo es weh tut.

Niklas Liebetrau

Niklas Liebetrau

... fand das ruhige Leben in Zehlendorf, diesem weit im Südwesten Berlins gelegenen Bezirk, immer schön, aber auch immer ziemlich langweilig. Aufgewachsen dort im Grünen, zwischen all den Familien, bei denen die Eltern gefühlt alle Anwälte, Ärzte oder in der Wirtschaft tätig sind, zog es ihn schon früh hinein ins wilde Hauptstadttreiben. Gleichwohl sah es zunächst so aus, als würde auch er bald Anwalt sein, immerhin studierte er selbst Jura. Doch zwei Auslandssemester in Rom, in dem alles erlebt und erkundet wurde, nur nicht das internationale Recht, reichten aus, um ihm den Floh der Veränderung ins Ohr zu setzen. Dolce Vita, na klar. Aber auch die ganz andere Kultur, die Sprache, das südländische Miteinander - alles trug seinen Teil dazu bei. Ob in Vietnam, Israel, Ägypten oder auch der guten alten BRD, immer wieder geht er seitdem bei Reisen dem Neuen und Unbekannten auf die Spur. Gelesen hat er stets viel: Max Frisch, Paul Auster, etwas später Dostojewski - und natürlich Zeitungen. Filme sind sowieso super. Schreiben kann er auch ganz gut. Er würde wohl selbst sagen, Schreiben sei eins der wenigen Dinge, die er halbwegs beherrsche. Und so rückte kurz nach dem ersten Examen der Journalismus in sein Blickfeld, war erst Ausbruch aus alten Strukturen und wurde nur wenig später zur alles verdrängenden Leidenschaft. Bei seiner ersten Station, dem Tagesspiegel, kam er für Reportagen mit zivilgesellschaftlichem Engagement und so mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt. Er lernte, dass es das Wichtigste ist, egal mit wem und zu jeder Zeit, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Er spricht die Sprache der Anwälte, aber auch die der Straße. Gute Geschichten faszinieren ihn und hier merkte er nun, dass das Leben die besten schreibt. Seitdem will er Reporter werden. Dafür geht er sogar nach Reutlingen, also nochmal ins Grüne und Ruhige. Doch diesmal ist er sich sicher: langweilig wird es ganz bestimmt nicht mehr.

Noemi Harnickell

Noemi Harnickell

… hatte in der fünften Klasse eine gute Note im Deutsch-Aufsatz und beschloss, fortan nichts anderes zu machen als zu schreiben. Notizheft und Bleistift wurden zu ihren ständigen Begleitern. In ihnen sammelte sie erst Geschichten über Meerjungfrauen und Drachen, später Gesprächsfetzen aus Busfahrten und schließlich konkrete Ideen für Essays und Reportagen. Sie wollte verstehen, wie sich die Zahnräder der Welt drehen, wollte herausfinden, ob die Bösen wirklich böse und die Guten wirklich gut sind, begann in Bern Geschichte zu studieren und für Zeitungen zu schreiben. Sie abonnierte die ZEIT und erklärte ihrem Mitbewohner beim Abendessen, da wolle sie auch hin. Er riet ihr, die Ellenbogen dafür einzusetzen. Stationen sind: Dramaturgin beim Theaterensemble Johannes in Bern, Studium der Geschichte und Slawistik in Bern und Krakau und eine Hospitanz bei der ZEIT in Hamburg. Noemi möchte sich an der Reportageschule überfordern, dahin gehen, wo es unbequem wird und lernen, ihre Geschichten lauter zu schreiben.

Torben Becker

Torben Becker

Rastlos und neugierig war Torben Becker schon immer. Dass er daraus einen Beruf machen könnte, lernte er jedoch erst über Umwege. Während er in den Jahren seiner jungen Politisierung den Wunsch nach Teilhabe und Veränderung auf Protesten und Demonstrationen lebte, wollte er gleichzeitig genauer wissen, wie all das, also Gesellschaft, funktioniert. Diesen Wissensdurst stillte er auf seinem ersten Weg durch die Universität. In Kiel, Konstanz und Neu-Delhi studierte er Philosophie, Europäische Ethnologie und Kulturanthropologie. Weil sich in Protestsituationen oft entscheidende Momente gesellschaftlicher Auseinandersetzung ablesen lassen, zählten soziale Bewegungen weiterhin zu seinem Forschungsschwerpunkt. Doch die wissenschaftliche Sprache erschöpfte nicht sein Verlangen, diese Geschehnisse auch auf eine einfühlsamere, ehrlichere Art beschreiben zu können. Er machte sich auf die Suche nach einer präziseren Sprache. Er fand sie während eines Praktikums bei der Tageszeitung taz und wurde bewusst zum journalistischen Quereinsteiger. Dort hatte er das Glück, als freier und angestellter Redakteur in verschiedenen Projekten der Zeitung arbeiten zu können und erweiterte seine Zusammenarbeit um andere Medien, wie beispielsweise die Wochenzeitung Jungle World. Auch hier blieben die Haupt- und Nebenschauplätze sozialer Bewegungen zwar in seinem Fokus, doch er lernte nicht nur, neue Textgattungen zu schätzen, sondern auch verwandte Themenbereich intensiv zu bearbeiten: Kommunalpolitik, Bildung, Soziales und Alltag. Deshalb sieht man ihn jetzt und in Zukunft nicht nur am Rand von Demonstrationen als Journalist und Fotograf, sondern auch an unscheinbaren Orten, wo Gesellschaft aber nicht minder schonungslos verhandelt wird ab 2020 bei der Reportageschule im Schwabenland.