Wir sind der 17. Lehrgang

Andrew Müller

Andrew Müller

… trieb es während des Soziologie-Studiums schon früh raus. Für Feldforschungen fuhr er nach Laos und Thailand, um Vogelspinnen, Riesenwasserwanzen und andere Insekten zu essen. Neben der sogenannten Entomophagie ging es in seinen akademischen Publikationen um kulturelle Unterschiede, Eurozentrismus, soziale Ungleichheit, Ökologie und Kapitalismus. Ein wiederkehrender journalistischer Impuls führte ihn 2018 als Praktikant zur ‚taz‘. Dort folgten ein Vertretungsjob im Ressort Wirtschaft und Umwelt sowie eine Tätigkeit als Wissenschaftsredakteur. Zuletzt hat er vor allem über Biodiversität geschrieben, interessiert sich aber auch etwa für Psychologie oder Musik. Süddeutschland ist für den in West und Ost aufgewachsenen, sonst in Berlin lebenden ‚Halb-Engländer‘ ein neues Pflaster. In Reutlingen möchte er seiner Leidenschaft für lange, tief recherchierte Texte nachgehen, im Austausch mit Kolleg*innen seinen Schreibstil entwickeln und weiter lernen, Komplexität in lesenswerten Geschichten abzubilden. Die Ausbildung an der Reportageschule ermöglicht ihm ein Stipendium der Fazit-Stiftung.

Anna Scheld

Anna Scheld

… empfand Journalist*innen lange Zeit als unbekannte Wesen, die auf staubigen Tastaturen schlecht bezahlte Texte schrieben. Deshalb wollte sie keine werden. Und studierte lieber BWL. Eine schlechte Idee, wie sie nach einigen inspirationslosen Semestern feststellte. Sie zog nach Bamberg und wechselte zu Germanistik und Anglistik. Aus Neugierde spazierte sie in die Redaktion der Studierendenzeitschrift Ottfried – und blieb drei Jahre lang dort hängen. Ihre ersten Texte handelten von Waffenhändlern und Start-Up Gründern. Sie verliebte sich ins Schreiben, trank während der Redaktionssitzungen viel Rotwein und war rundum glücklich. Nur bekam sie kein Geld für ihre Texte. Also bot sie sie erfolgreich Zeitungen an: dem Fränkischen Tag, der Ostfriesen-Zeitung und auch der ZEIT. Ein Jahr lang lebte sie nach dem Studium als freie Journalistin in Groningen und Hamburg. Nun freut sie sich auf das süddeutsche Flair Reutlingens mit seinen Fachwerkhäusern und Maultaschen. An der Reportageschule möchte sie mit Worten zaubern lernen und so lange an Sätzen feilen, bis sie wunderbar mühelos klingen.

David Holzapfel

David Holzapfel

… ist mit einem Fach- vor dem Abitur und ohne Studium so etwas wie ein Einhorn im Journalismus. Geboren 1997 im schwäbischen Augsburg, lernte er in einem früheren Berufsleben, wie man eine Leiche in einem Wald sucht und findet, mit einer Pistole auf Zielscheiben schießt und manchmal trifft. Vor allem aber lernte er, dass Polizeiuniform und Waffenholster nichts für ihn sind. Er orientierte sich um, schrieb erst für die Süddeutsche Zeitung, volontierte anschließend bei der Augsburger Allgemeinen. Am liebsten recherchiert er Geschichten, die gesellschaftlichen Sprengstoff bergen; von arm und reich, alt und jung, links und rechts. Während der zwölf Monate an der Reportageschule möchte er seine Leidenskraft stählern und seinen Blick für relevante Themen schärfen.

Florian Bayer

Florian Bayer

… wollte immer schon schreiben. Das beweisen Fotos an Opas alter Schreibmaschine, an der er im zarten Alter von fünf Jahren die ersten Abenteuergeschichten zu Papier brachte. Wilde Grammatik, keine Spur von Rechtschreibung, aber das hatte ja noch Zeit. Die Linzer Schülerzeitung brachte erstes selbstverdientes Geld. Noch während des Journalismus-Studiums Festanstellung beim STANDARD, Ressort Gesundheit. Weil die Themen Krebs, Sehschwächen und Magenverstimmung auf Dauer nicht das seine waren, gings nochmal auf die Uni (Globalgeschichte, Philosophie, Politikwissenschaft), u.a. in Krakau und Antwerpen. Umwege in die Forenmoderation und Wissenschafts-PR führten ihn auf den rechten Weg zurück, in den Journalismus. Ob Armenien nach der ersten demokratischen Wahl, unter Rechtsradikalen in Warschau oder bei einer nächtlichen Kinderabschiebung in Wien: Wo es um Nationalismus, Menschenrechte und Zivilgesellschaft geht, ist auch er. Als freier Journalist schrieb er u.a. für ZEIT Online, Freitag, Krautreporter, Der Standard, DATUM.

Katrin Groth

Katrin Groth

… mag trockenen Humor, karge Landschaften und Regionalliga-Fußball. Auf die Idee mit dem Journalismus brachte sie ihr Geschichtslehrer. Studiert hat sie dann aber erstmal etwas anderes: Stadtplanung in Hamburg, Historische Urbanistik in Berlin. Im Volontariat bei der Lokalzeitung entdeckte sie die Liebe für lange Stücke und sperrige Geschichten. Für Marathon laufende Omis und Rollbrettfahrer aus DDR-Zeiten. Für Themen, die in der Sonntagsausgabe erschienen, weil im täglichen Schlagzeilenwettlauf kein Platz dafür war. Die Berlinerin mag ihre Stadt, verlässt sie aber auch gerne und schreibt darüber. Hat als Freie eine Polarforscherin auf der Suche nach Phytoplankton begleitet, ist mit einer Bergsteigerin in die Alpen gestiefelt und mit Seemännern auf einem Containerschiff über den Atlantik geschippert. Nach mehreren Monaten in den Weiten Nordeuropas und einem Stipendien-Aufenthalt in Ljubljana jetzt: schwäbische Provinz. An der Reportageschule will sie lernen ihren Geschichten den richtigen Drall zu verpassen. Für Reportagen, die nachhallen.

Kim Lucia Rupf

Kim Lucia Ruoff

… wollte immer Sportjournalistin werden. Hat sich dann zwei Wochen vor der Aufnahmeprüfung einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen. Nicht beim Training, sondern an der Bordsteinkante. Im Nachhinein vielleicht ein wichtiger Schritt. Die Geschichten, die sie stattdessen erzählt, spielen an anderen Orten. Hat Tage in Stuttgart mit einem Obdachlosen verbracht und die Stadt mit seinen Augen kennengelernt. Hetzte für ein Portrait mit dem Spitzenkandidaten der paneuropäischen Volt-Partei durch Berlin und reiste für eine Reportage über Sozialunternehmer*innen nach Uganda. Sie studierte Politikwissenschaft und Journalismus, zwischendurch Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung und dem Süddeutsche Zeitung Magazin. Nach dem Studium bei ARD aktuell Themen aufgespürt und den Tagesthemen den „Welt-Nichts-Tag“ verkauft. Freut sich nach einem Pre-Master in Internationalen Beziehungen in den Niederlanden darauf, große Geschichten so zu erzählen, dass sie bleiben. Die Ausbildung an der Reportage-Schule ermöglicht ihr ein Stipendium der Fazit-Stiftung.

Kristina Ratsch

Kristina Ratsch

… wuchs in einem kleinen Dorf im Schwarzwald auf und wollte nach dem Abitur ganz schnell dort weg, um die Welt hinter den schwarzen Tannen zu erkunden. Was sie dabei gefunden hat: ihre Leidenschaft zu beobachten, Fremde auszufragen, in verschiedene Lebensrealitäten einzutauchen und Geschichten zu erzählen. Bewarb sich deshalb für ein erstes Praktikum bei der Lokalzeitung Schwarzwälder Bote. Dort deckte sie zwar nicht, wie zunächst erhofft, politische Skandale auf, lernte dafür aber, dass auch in öde anmutenden Kleinstädten spannende Geschichten lauern und dass man auch über ein christliches Feriencamp eine fesselnde Reportage schreiben kann. Danach folgten journalistische Stationen bei der Stuttgarter Zeitung und dem Nord- und Südwestdeutschen Rundfunk; als freie Autorin schreibt sie für das SZ-Magazin. Nebenher studierte sie in Hamburg und Mexiko Politikwissenschaften und entwickelte im Hörsaal und auf den Straßen Mexikos einen kritischen Blick für soziale Ungleichheit, Unrecht und Machtstrukturen. An der Reportageschule will sie nun lernen, die Geschichten jener Menschen zu erzählen, die davon betroffen sind – und hofft, dass sie dieses Vorhaben auch wieder in ihr geliebtes Mexiko führt! Die Ausbildung an der Reportageschule ermöglicht ihr ein Stipendium der FAZIT-Stiftung.

Marina Klimchuk

Marina Klimchuk

… hatte nach ihrem Soziologiestudium in München zu große Angst davor, Journalistin zu werden. Um ihren Mangel an Vitamin D ins Gleichgewicht zu bringen, wanderte sie stattdessen nach Tel Aviv aus. Dort kellnerte sie in veganen Restaurants, arbeitete mit Geflüchteten aus Eritrea, leitete Studienreisen für evangelikale Christ*innen und führte Gruppen durch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Schließlich besann sie sich doch auf das, was am meisten Spaß macht: Schreiben, vorzugsweise latent wütende Texte über politisch inakzeptable Zustände. Diese erscheinen in der taz oder in ihrer Kolumne beim Online-Magazin disorient. An der Reportageschule in Reutlingen will sie das Handwerk noch besser erlernen. Die Kunst, von Komplexität zu erzählen, ohne laut schreien zu müssen. Und auch, um die Kommasetzung zu trainieren, die sie schon seit der Grundschule nicht beherrscht.

Martin Hogger

Martin Hogger

… hat als jugendlicher Martin schon angefangen zu schreiben, jedoch ausschließlich Songtexte. Er konnte nicht singen. Und so gut im Trinken war er auch nicht. Vor allem aber wollte er älter als 27 Jahre alt werden. Darüber braucht man es als Musikstar gar nicht versuchen. Also nun Schreiben über Musik. Dazu machte er ein Praktikum bei der Lokalzeitung, zog nach Wien um ein Musikwissenschaft zu studieren und wieder abzubrechen. Nächste Station: Passau, um gleichzeitig Medien und Kommunikation zu studieren und bei der Passauer Neuen Presse zu volontieren. Danach arbeitete er in den Wirtschaftsredaktionen von Focus Online und der Süddeutschen Zeitung, bevor er als Reporter zur Main-Post nach Würzburg ging. Jeder Soundtrack über Ungerechtigkeit und eine bessere Zukunft ist in irgendeiner Art wirtschaftlich begründet. Das will er aufschreiben. Kaum einen Text kann er ohne Musik auf den Ohren verfassen und er bildet sich ein, dass sich auch das Songschreiben aus der Jugend auf Texte auswirkt. Rhythmus, Unterhaltungswert, Aufbau, Überraschungen: solche Dinge eben. Häufig hört er dabei das „Swimming“-Album von Mac Miller. Der starb mit 27. Martin wird während des Jahrs an der Reportageschule 28 werden.

Niklas Bessenbach

Niklas Bessenbach

… wurde am 13. Februar 1990 geboren. Eingeschult in Essen, Abitur in Bonn. Studium der Politikwissenschaft in Wien, Münster und Frankfurt. Als Kind hat ihn seine Oma aufgefordert, Lügengeschichten zu erfinden. In das Geschichtenerzählen hat er sich verliebt. Quatsch zu erzählen, wurde ihm spätestens als Werkstudent bei der F.A.Z. ausgetrieben. Praktika bei Perspective Daily und Krautreporter. Während des Studiums hat er die Studierendenzeitung Frankfurt am Sein (FaSe) gegründet. In den letzten beiden Jahren, bis Ende 2021, hat er bei der Funke Mediengruppe volontiert: Er hat eine Fahrradtour mit Förstern in Duisburg gemacht, um zu verstehen, wie sie gegen die Klimakrise kämpfen. Er besuchte Nachwuchskünstler Leon Löwentraut in seinem Atelier. Und ist mit torkelnden Jungliberalen durch Bochums Innenstadt geschlendert, die kurz vor der Bundestagswahl Bier aus einem Bollerwagen verteilt haben. Jetzt der Feinschliff in Reutlingen an der Reportageschule.

Maximilian Münster

Maximilian Münster

… hört mit Anfang 20 mal den Satz: Geschichten liegen auf der Straße. Ist das so? Fängt an zu suchen bei einer Lokalzeitung im Nordosten Baden-Württembergs, wo er auch aufwächst. Das mit den Geschichten ist so eine Sache in „badisch Sibirien“. Den Spitznamen hat man der Region vor etwas mehr als 200 Jahren verpasst, weil es dort kaum Straßen und Menschen gab. Im Schnitt war es zwei Grad kälter als in anderen Landesteilen, Sibirien halt. Heute gibt es dort gute Straßen und liebe Menschen, aber etwas kühler ist es immer noch. Und Geschichten sind immer noch schwieriger zu finden als anderswo, denkt er - und geht nach dem Volontariat weg. Studiert Politik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft. Sucht weiter nach Geschichten: beim Fernsehen und als Zeitungsreporter. Verzweifelt. Auch, weil er das Gefühl hat, das Handwerk noch nicht richtig zu beherrschen. Für einen Moment bricht er mit dem Journalismus. Arbeitet dann für den baden-württembergischen Landtag, bis schnell die alte Sehnsucht wieder kommt: auf die Straße gehen, Menschen treffen, schreiben. Reporter sein. Das lernt er nun an der Reportageschule: Geschichten aufspüren, vor allem dort, wo es schwierig ist.

Tim Winter

Tim Winter

… stammt aus dem flächenmäßig größten Landkreis Deutschlands – der Mecklenburgischen Seenplatte. Aus Mangel an Arbeitsproben reichte er beim „Nordkurier“ für die Bewerbung zum ersten journalistischen Praktikum seine Abirede und gestelzte Gedichtinterpretationen ein. Es folgten Texte aus der Kleinstadtszenerie – über Blindenleitsysteme am Bahnhof, Schulkonzerte und halsbrecherische Hügel. Nächste Station: Rostock. Studium der Politikwissenschaft und Geschichte. Nebenbei als freier Mitarbeiter bei der „Ostsee-Zeitung“ und „Antenne MV“ weiter auf Stilsuche. Umzug nach Berlin, Public History studieren und bei den Stadtmagazinen „tip“ und „Zitty“ lernen, was es heißt, eine Szene einzufangen. Er sprach mit Schock-Rock-Legende Alice Cooper über Scheinhinrichtungen und Alkoholismus und begab sich für eine Recherche tief in die Berliner Fetischszene. Ein Abonnent war über die entstandene Titelstory so empört, dass er ihm per Leserbrief zum Besuch eines Gotteshauses riet. Weniger anstößigen Themen widmete er sich als Autor für das „ARTE Magazin“. An der Reportageschule will er lernen, wie man Geschichten schreibt, in denen man sich verliert.